Reisebericht 2018

Masters Wasserballer und Nottrodt-Brüder beim Freiwasser Schwimmen

Die Helden vom Bosporus: Daniel Ebert, Andreas Linke, Peter Nottrodt, 

Slobodan Georgijewitsch, Didi Klink, Rainer Müller-Jökel, Stefan Eher, 

Harald Schulte, Uli Nottrodt, Jürgen Bock, Kalli Nottrodt (von links nach rechts)

Von EUROPA nach ASIEN schwimmen

Die wundersame Wandlung der Masters Wasserballer zu Langstrecken Freiwasser Schwimmern, wie geht denn das?  Ganz einfach: einer der Jungs - Uli Nottrodt - hat einen runden Geburtstag und spricht völlig unbedacht einen Wunsch aus: ich möchte gerne mal von Europa nach Asien schwimmen. Und frei nach dem Motto mein Wunsch wird Befehl kommt das Geburtstagsgeschenk zum 60. im November 2017: Teilnahme am legendären Hellespont/Dardanellen Freiwasser Schwimmen, Überquerung der Strasse von Marmara in der Türkei, seit 32 Jahren veranstaltet vom Rotary Club in Canakkale, dem Zielort des Schwimm-Events, immer am 30. August am türkischen Nationalfeiertag der Unabhängigkeit. Und weil es alleine langweilig gewesen wäre, sind natürlich fast das gesamte Masters-Wasserballteam sowie die beiden Brüder Peter und Kalli mit von der Partie. Alles perfekt vorbereitet und organisiert von Andreas!
 
Zur Erinnerung an die Geografie: die Strasse von Marmara ist die Verbindung vom Schwarzen Meer über das Marmara Meer in die Ägäis und somit ins Mittelmeer, eine der am stärksten befahrenen Meeresstrassen der Welt.
Vermutlich löste das Geschenk und der Respekt vor den 4,5 km bei allen Beteiligten seit dem letzten Winter zahlreiche schlaflose Nächte aus. Normalerweise kommen Masters Wasserballer ja eher selten auf mehr als 500 bis 1000 m Schwimmtraining pro Woche. Und es ranken sich zahlreiche Stories um das Schwimm-Event. Der erste Mensch und somit Begründer des Freiwasser Schwimmens überhaupt war übrigens der englische Poet Lord Byron, der bereits 1810 schwimmerisch die Wasserstrasse überquerte. Auch sollen vor ein paar Jahren bei rauhen Bedingungen türkische Teilnehmer das Ziel nicht erreicht und in die Ägäis gespült worden sein. 
Und je näher die Abreise und das Event rückten, wurde das Wasserballtraining durch Langstrecken Schwimmtraining, meist im Langener Waldsee, ersetzt. Der Weg ist das Ziel! Selbst am Abend vor der Abreise wurde noch die letzte Trainingseinheit, diesmal im Walldorf See, absolviert.
Die Anreise war beschwerlich und lang, 3 Stunden Flug von Frankfurt nach Istanbul, dann 5 bis 6 Stunden Busfahrt nach Eceabat und schließlich noch die Überquerung der Marmara Straße nach Canakkale per Fähre, quasi die direkte Simulation der Schwimmstrecke. Spätestens hier trat einigen der Angstschweiß ins Gesicht, Wind und starker Wellengang flößten gewaltigen Respekt ein.

Nach einem Probe-Schwimmen am 1. Tag, allerdings an einem entfernten ruhigen Strand, und Absolvierung sämtlicher bürokratischer Hürden wie Registrierung etc., sollte auch die Kultur nicht zu kurz kommen mit einem Ausflug an die historische Ausgrabungsstätte nach Troja. Spätestens hier wurden wir daran erinnert, dass der Trojaner nicht nur Computer Virus, sondern tatsächlicher Bestandteil der Geschichte ist, dokumentiert durch einen Nachbau des berühmten Holz-Pferdes. 
Am nächsten Morgen ging es früh los, nach kurzem Frühstück um 5.30 Uhr brachte uns die Fähre um 7 Uhr zurück auf die europäische Seite nach Eceabat, mehr als 600 türkische Teilnehmer und 70 bis 80 Ausländer, nur in Schwimmbekleidung und Badeschlappen, ein beindruckendes Bild. Der Wettergott zeigt sich gnädig an diesem Morgen, es wehte nur eine leichte Brise und somit war auch der Wellengang eher schlapp. Orientierungsbojen - wie sonst beim Freiwasser-Schwimmen -gab es natürlich keine, Orientierungshilfen waren lediglich ein Antennenmast, eine türkische Flagge auf einem Berg und die Flutlicht Masten des Stadions in Canakkale. Aber selbst die machten sich beim Schwimmen gegen die tief stehende Sonne eher unsichtbar. Also Schwimmen auf gut Glück bzw. Verlassen auf die Vorderleute war angesagt. 
Der Schiffsverkehr wurde für die Dauer des Rennes unterbrochen, flankiert wurden wir von einer Reihe von Fischer Booten, somit war auch das gefürchtete Abtreiben in die Ägäis eher unwahrscheinlich. Gegen 8.30 Uhr fiel der lang ersehnte Startschuss am Strand von Eceabat, die Ambitionierten stürzten sich im Laufschritt über die Zeitmatte ins Wasser, die eher am Erlebnis Orientierten ließen es etwas gemächlicher angehen, 4,5 km sind schließlich lang. So verteilten sich die mehr als 600 Schwimmer schnell, Körperkontakt oder Geknautsche blieben praktisch aus. 
Mit den quasi optimalen Bedingungen und starker Rückenströmung auf dem Großteil der Strecke kamen alle von uns unerwartet schnell ins Ziel auf der asiatischen Seite in Canakkale an, allerdings mussten doch ein paar die letzten Meter gegen die starke Strömung zurückschwimmen. Unsere Ergebnisse übertrafen alle Erwartungen: alle schafften die Distanz ohne Probleme, die meisten von uns unter oder um eine Stunde, Rainer Müller-Jökel mit der Bronzemedaille in der AK 60, Peter Nottrodt ebenfalls Bronze in der AK 65 sowie Kalli Nottrodt mit dem 7. Platz der Gesamtwertung und Gold in der AK 65. 
Fazit aller Beteiligten: Es war eine tolle Reise mit unvergessenen Eindrücken von Land und Leuten. Kaum noch zu toppen, mal sehen, was am nächsten runden Geburtstag kommt. Und: Wasserballfelder sollten in Zukunft auf 500 m Länge erweitert werden, damit endlich mehr geschwommen wird. 
 
Zur Vollständigkeit hier noch die Ergebnisse:  (Siegerzeit: Turgut Esen   0:44:12) 
7.        Kalli Nottrodt                         (1. AK65)             0:45:09
80.      Rainer Müller Jökel              (3. AK60)             0:54:57
88.      Slobo Georgijiwitsch             (4. AK60)             0:55:40
101.    Daniel Ebert                         (11. AK35)           0:56:44
109.    Andreas Linke                      (9. AK50)             0:57:07
176.    Jürgen Bock                         (12. AK55)           1:00:14
178.    Uli Nottrodt                           (9. AK60)             1:00:26
220.    Peter Nottrodt                       (3. AK65)             1:02:43
268.    Didi Klenk                             (15. AK55)           1.05:18
382.    Stefan Reher                        (24. AK55)           1:11:04
427.    Harald Schulte                      (9. AK65)             1:12:57